digit-DL Konferenz „Disruptiver Wandel: Gute Arbeit in der digitalen Ökonomie neu gestalten“

Dokumentation der Konferenz “Disruptiver Wandel – Gute Arbeit in der digitalen Ökonomie neu gestalten?” im Rahmen des digit-DL-Projekts „Digitalisierung der Gesellschaft – Trends und Herausforderungen für die Dienstleistungen der Zukunft“ vom 28. Januar 2016 in München.

Mehr als 100 Expertinnen und Experten aus Unternehmen, Politik, Wissenschaft, Gewerkschaften und Beratungsinstituten sind als Gäste der IG Metall am 28. Januar 2016 in Frankfurt zusammen gekommen, um im Rahmen der Konferenz „Disruptiver Wandel: Gute Arbeit in der digitalen Ökonomie neu gestalten“ über die digitale Transformation und ihre Folgen für die Arbeitswelt, die Rolle der Gewerkschaften bei der Gestaltung des Wandels und neueste Forschungsergebnisse aus dem Silicon Valley als Vorreiter der weltweiten Digitalwirtschaft zu diskutieren.

Wir haben vorläufige Ergebnisse und Eindrücke dieser zweiten Transferkonferenz des BMBF-Projektes „Digitale Dienstleistung in modernen Wertschöpfungssystemen“ sowie weiterführende Informationen für Sie zusammengestellt.

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Zum Interview mit Andreas Boes

Grußwort von Prof. Dr. Wolf-Dieter Lukas
Leiter der Abteilung Schlüsseltechnologien – Forschung für Entwicklung im Bundesministerium für Bildung und Forschung

Wie kann man Wertschöpfung in Deutschland erhalten und zugleich Arbeit gut gestalten, wie technische Effizienz und gute Arbeitsbedingungen zusammenführen und wie Kompetenzen weiterentwickeln? Dies sind zentrale Fragen, die sich für Wolf-Dieter Lukas mit Blick auf die Veränderungen, welche die Arbeitswelt im Zuge der digitalen Transformation gerade erlebt, stellen. In seinem Grußwort zur Eröffnung der Veranstaltung plädierte der Physiker unter anderem für die Schaffung innovationsfördernder Arbeitsbedingungen, die Suche nach ökonomischen und sozialen Vorteilen und für breit angelegte Forschungsprojekte zur Zukunft der Arbeit.

Ansprache von Christiane Benner: Gute Arbeit in der digitalen Ökonomie
Zweite Vorsitzende der IG Metall

Christiane-Benner

Ohne die Expertise der Beschäftigten wird eine menschengerechte Gestaltung der digitalen Arbeitswelt nicht gelingen. Hiervon ist Christiane Benner überzeugt. Die Digitalisierung führe zu evolutionären Veränderungen, die durchaus gestaltet werden könnten. Die digitale Ökonomie brauche jedoch Vertrauen und Sicherheit im Wandel und eine digitale Ethik, betonte die Gewerkschafterin in ihrer Ansprache. Die Aus- und Weiterbildung als Kernthema, die Entwicklung neuer Mitbestimmungsformen und von Regelungen für mobile Arbeit, die Anpassung und Erweiterung der Mitbestimmungsrechte sowie die Festschreibung von Partizipationsrechten für Crowdworker zählen für sie zu den zentralen Herausforderungen, die im Zuge der Transformation auf die Gewerkschaften zukommen.

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Forschungsergebnisse: Disruptiver Wandel – Vorreiter Silicon Valley

Andreas Boes, Mitglied des Vorstands am ISF München und Privatdozent an der TU Darmstadt

Tobias Kämpf, Wissenschaftler am ISF München und Lehrbeauftragter an der FAU Erlangen-Nürnberg

Tobias-Kämpf

Für Andreas Boes und Tobias Kämpf ist das Silicon Valley ein soziales Biotop, das unter konsequenter Nutzung des Informationsraums gerade einen „Katapultstart“ in die digitale Gesellschaft vollzieht. Die beiden Wissenschaftler stellten im Rahmen der Tagung die Ergebnisse der 14tägigen empirischen Erhebungen der Forschungsgruppe „Informatisierung der Gesellschaft und Zukunft der Arbeit“ in der Bay Area vor. Das „Internet der Dinge“, die Disruption der Arbeitsmärkte durch Cloudworking und Crowdsourcing, der Wandel von Wissensarbeit und radikal neue Geschäftsmodelle sind für sie zentrale Trends, die von Kalifornien aus auch die deutsche Wirtschaft auf den Kopf zu stellen drohen. Die dortige Philosophie auf reife Volkswirtschaften wie hierzulande zu übertragen ist nach ihrer Überzeugung nur begrenzt möglich.

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Dr.-Ing. Stefan Hartung: Keynote zur “Digitalisierung als Innovationstreiber von Technologien und Geschäftsmodellen”
Geschäftsführer der Robert Bosch GmbH

Stefan-Hartung

Rund 50 Milliarden „Devices“ werden innerhalb der nächsten 15 Jahre vernetzt sein, prognostizierte Stefan Hartung. Die Entwicklung dieser vernetzten Welt sei enorm, weitere Anstiege seien zu erwarten, erklärte der Bosch-Geschäftsführer in seiner Keynote. Hartung berichtete unter anderem über neue Technologien, die derzeit den Markt bestimmen, über neue Produktlösungen und Geschäftsmodelle wie die flexible, vernetzte und intelligente Fabrik der Zukunft und über die Produkte und Strategien, mit denen Bosch sich den Herausforderungen der digitalen Ökonomie in ihrer Doppelrolle als Anbieter von Leittechnik und Leitanwender stellen will. Die Pflege einer Start-Up-Kultur, die Weiterentwicklung von Arbeitszeiten und flexible Beschäftigungsmodelle sind weitere Meilensteine, um das Unternehmen in die digitale Zukunft zu führen.

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SpeedThinkTank: Wie können wir die digitale Transformation gestalten?

Im Rahmen eines „SpeedThinkTank“ reflektierten Betriebsräte, Gewerkschafter, Wissenschaftler, Unternehmensvertreter und Berater das Vortragsprogramm und beleuchteten auf Basis der Forschungsergebnisse die Chancen und Risiken einer digitalen Wirtschaft wie das Silicon Valley sie gegenwärtig vorlebt. Unter der Moderation von Günther Thoma, Managing Partner der step pro GmbH, diskutierten die Konferenzteilnehmer zudem erste Gestaltungsansätze für eine neue Innovationskultur und für Qualifikationsinstrumente, welche die Beschäftigten auf die Kompetenzen der Zukunft vorbereiten. Sie erörterten auch, ob digitale Arbeit mit ihrem neuen Leitbild des „Working in the open“ Hierarchien abbauen kann oder sogar zu mehr Kontrolle führt und stellten sich am Ende der Frage „Was können wir vom Silicon Valley lernen oder nicht?“